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Brustkrebs, Mammakarzinom - Strahlentherapie
Wie wirkt die Strahlentherapie?
Neben Operation und medikamentöser Behandlung ist die Strahlen- bzw. Radiotherapie die am häufigsten angewendete Therapieform beim Brustkrebs.
Durch hoch dosierte ionisierende Strahlung (z. B. Röntgenstrahlen) wird das Erbmaterial der bestrahlten Zellen geschädigt – das von gesunden genauso wie das von verbliebenen Krebszellen. Krebszellen verfügen jedoch nicht über ein so gut funktionierendes Reparatursystem wie normale Zellen. Darum können bei ihnen die durch die Strahlung entstandenen Schäden nicht behoben werden – die Zelle stirbt ab.
Bei wem wird die Strahlentherapie eingesetzt?
Zumeist wird die Strahlentherapie nach der Operation, d. h. adjuvant eingesetzt, um gegebenenfalls nicht entfernte Tumorzellen zu zerstören und so einen Rückfall zu verhindern. Nach einer brusterhaltenden Operation
Nach brusterhaltenden Operationen ist die Bestrahlung derzeit Standard. Studien haben gezeigt, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens des Krebses (Rezidiv) von etwa einem Drittel auf fünf bis zehn Prozent gesenkt werden kann. Nach einer Mastektomie
Wurde die gesamte Brust entfernt, muss nicht unbedingt bestrahlt werden. Sinnvoll ist die Strahlentherapie, wenn
- der Tumor groß war,
- nicht vollständig oder mit nur sehr geringem Sicherheitsrand entfernt werden konnte,
- die Muskulatur oder Haut betroffen waren und/oder
- mehr als vier Lymphknoten in der Achselhöhle befallen waren (gegebenenfalls auch bei einem bis drei befallenen Lymphknoten).
Die nachoperative Bestrahlung führt auch bei Brustentfernungen zu einer niedrigeren Rückfall-Wahrscheinlichkeit. Bestrahlt werden die Brustwand und die Narbe. Vor der Operation
Größere Tumoren werden mitunter vor der Operation bestrahlt, um den Tumor zu verkleinern. Nach einer solchen sogenannten neoadjuvanten Strahlentherapie kann möglicherweise auch dann brusterhaltend operiert werden, wenn dies aufgrund der Größe des Tumors sonst nicht möglich gewesen wäre. Die Strahlentherapie vor einer Operation wird jedoch sehr selten durchgeführt. Primäre Strahlentherapie – ohne Operation
Eine alleinige Strahlentherapie wird eingesetzt
- bei Tumoren, die nicht mehr operiert werden können,
- wenn die Operation von der Patientin abgelehnt wird oder aus anderen Gründen (Alter, Begleiterkrankungen) nicht erfolgen kann.
Bestrahlung von Lymphknoten
Wurden in den Lymphknoten der Achselhöhle Metastasen gefunden, werden die Abflusswege der Lymphe mitbestrahlt. Bei Patientinnen, die sehr alt oder in schlechter körperlicher Verfassung sind, werden bei einer Operation häufig die Lymphkoten in der Achselhöhle nicht entfernt und sie erhalten auch keine Chemotherapie. Bei diesen Frauen wird im Ausnahmefall ebenfalls die Achselhöhle bestrahlt. Bestrahlung von Metastasen
Bei fortgeschrittener Erkrankung wird die Strahlentherapie auch zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt, insbesondere wenn sie Schmerzen bereiten oder die Gefahr von Knochenbrüchen besteht.
Wie läuft die Strahlentherapie ab?
Die Bestrahlung sollte möglichst schnell nach der Operation beginnen – sobald die Wunde verheilt ist, also frühestens nach drei Wochen, spätestens nach acht Wochen. Bei zusätzlicher Chemotherapie beginnt die Bestrahlung wegen der Gefahr verstärkter Nebenwirkungen zeitlich verzögert, entweder nach dem Ende der Behandlung mit den Zytostatika oder zwischen den einzelnen Chemotherapie-Zyklen. Hormontherapien können dagegen gleichzeitig mit der Strahlentherapie durchgeführt werden. Wie lange und mit welcher Dosis bestrahlt wird, richtet sich nach der individuellen Situation der Patientin. Üblicherweise dauert die Behandlung etwa sechs Wochen. Während dieser Zeit kommt die Patientin an mehreren Tagen pro Woche zur Bestrahlung in die Klinik oder die Strahlentherapiepraxis. Falls noch eine Zusatzbestrahlung („Boost“) notwendig ist, verlängert sich die Behandlung um zwei Wochen. Die einzelne Bestrahlung dauert nicht lange, und es wird jeweils nur ein kleiner Teil der gesamten Dosis verabreicht. So wird dem gesunden Gewebe (v. a. der Haut) immer wieder Zeit gegeben, sich zu erholen. Externe Bestrahlung
Meist wird von außen durch die Haut („perkutan“) bestrahlt. Modernste Technik erlaubt heute eine sehr präzise Bestrahlung, so dass im gewünschten Bereich – dem Tumor – eine hohe Strahlenkonzentration erreicht wird, ohne dem umliegenden gesunden Gewebe zu schaden. Erreicht wird dies mit Geräten, die aus verschiedenen Richtungen Strahlen senden, die aber nur dort, wo die Strahlen sich überschneiden, ihre zellschädigende Wirkung entfalten. Bestrahlt wird immer die gesamte Brust sowie ergänzend mit einer erhöhten Dosis („Boost“) das ehemalige Tumorareal. Alternativ zum externen Boost kann auch eine (brachy = griech. „kurz, nah“) erfolgen. Bei diesem auch interne Strahlentherapie genannten Verfahren wird über kleine Plastikkatheter eine radioaktive Substanz direkt an das Gebiet des ehemaligen Tumors gebracht. Intraoperative Bestrahlung (IORT):
Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. ältere Patientin, sehr kleiner Tumor ohne umgebende Vorstufen, keine befallenen Achsellymphknoten) ist die intraoperative Bestrahlung eine Ergänzung zur externen postoperativen Bestrahlung und verkürzt die Zeit der postoperativen Bestrahlung, ersetzt diese aber nicht. Bei dieser intraoperativen Strahlentherapie, die direkt nach der Entfernung des Tumors vor dem Verschließen der Wunde erfolgen kann, wird die Strahlenquelle direkt in das verbliebene Tumorbett gebracht. Dann erfolgt die Bestrahlung mit einer sehr hohen Dosis („Boost“). Nach der Wundheilung schließt sich die Bestrahlung der gesamten Brust an.
Welche Nebenwirkungen hat eine Strahlentherapie?
Die Strahlentherapie ist heute dank verschiedener technischer Verbesserungen präziser und verträglicher als früher. Der Tumor in der Brust wird gezielt bekämpft, während benachbarte Organe wie Lunge oder Herz weitgehend unbeeinflusst bleiben. Dennoch ist eine externe Strahlentherapie vor allem für die Haut im bestrahlten Bezirk sehr belastend. Die Bestrahlung kann ähnliche Folgen haben wie ein schwerer Sonnenbrand: schmerzhafte Rötungen bis hin zu Blasenbildung und auch Haarausfall kommen vor.
Werden Lymphknoten bestrahlt, erhöht sich das Risiko für einen Lymphstau (Lymphödem) in der Brust oder im Arm.
Um die bestrahlten Hautpartien zu schonen, sollten die Patientinnen während der Dauer der Behandlung keine enge Kleidung tragen und auf die Anwendung reizender Pflegemittel verzichten. Außerdem sollte die Haut keiner starken Wärmeeinwirkung (z. B. Sonnenbaden, Sauna) ausgesetzt werden.
Rückfettende und kühlende Pflegelotions lindern die Beschwerden beim Auftreten von Juckreiz oder Rötungen.
(pp)
Quellen: Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (Hrsg.): Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, W. Zuckschwerdt Verlag 2008 AGO e.V. (Hrsg.): Empfehlungen Gynäkologische Onkologie der Kommission Mamma, www.ago-online.de/index.php?lang=de&site=mamma_guide_topical&topic=mamma_guide , Stand Juli 2010 H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006 Foto: Foto: mit freundlicher Genehmigung der Gesundheit Nordhessen Holding AG Fachliche Beratung
Aktualisiert am: 11.11.11 - 12:08
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Hautkrebs – Krankheit mit vielen Facetten.
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