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Wie wird Lungenkrebs behandelt?

Die Art der Therapie hängt entscheidend davon ab, um welche Form von Lungenkrebs (nichtkleinzellig oder kleinzellig) es sich handelt (siehe auch Lungenkrebs-Formen) und wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist. Da die Behandlung unter Umständen Einfluss auf die Lungenfunktion hat, müssen neben dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand vor allem Vorerkrankungen der Lunge des Patienten berücksichtigt werden. Herz- und Lungenfunktionsprüfungen geben Auskunft darüber, ob bestimmte Behandlungsmethoden aus gesundheitlichen Gründen möglicherweise nicht eingesetzt werden können.

Behandlung nichtkleinzelliger Lungenkarzinome

Bei der Behandlung nichtkleinzelliger Lungenkarzinome stehen örtlich, also lokal wirksame Therapieverfahren (Operation, Strahlentherapie) und im ganzen Körper, also systemisch wirkende Behandlungen (Chemotherapie, zielgerichtete Therapien) zur Verfügung. Welche Verfahren eingesetzt werden, hängt vom Stadium der Erkrankung ab (siehe auch Feststellung des Krankheitsstadiums). Sofern es sinnvoll erscheint, werden die unterschiedlichen Therapien auch miteinander kombiniert.

Wenn sich der Tumor noch nicht in benachbarte Lymphknoten ausgebreitet hat (Stadium I), kann die Krankheit durch eine Operation geheilt werden. Ziel der Operation ist es, den Tumor vollständig zu entfernen. Eine unterstützende (adjuvante) Chemotherapie wird in diesen Fällen nicht grundsätzlich empfohlen. Nach Empfehlungen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und der deutschen S3 Leitlinie, kann sie jedoch bei Patienten mit Tumoren, die größer als 4 cm sind, in Betracht gezogen werden.

Bei Tumoren in den Stadien IIA (Tumorgröße < 3cm und Befall von Lymphknoten im Lungenhilus), IIB (Tumorgröße > 3cm und Befall von Lymphknoten im Lungenhilus) sowie IIIA (kleiner oder großer Tumor mit Befall von Lymphknoten in Lungenhilus und Mediastinum) sollte sich, so die neuesten Empfehlungen der ASCO und der S3 Leitlinie, eine die Heilung unterstützende Chemotherapie an die Operation anschließen, sofern nicht Begleiterkrankungen oder Komplikationen nach der Operation diese verbieten. Untersuchungen haben ergeben, dass eine Chemotherapie die Fünfjahresüberlebensrate von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium II um 10 Prozent und im Stadium IIIA um 13 Prozent verbessern kann.

Sollte durch die Operation ein Tumorbefall von Lymphknoten des Mediastinums nachgewiesen werden (Stadium IIIA) erfolgt neben der postoperativen Chemotherapie eine unterstützende Strahlentherapie des Mediastinums sofern nicht Begleiterkrankungen oder Komplikationen durch die Operation dagegen sprechen.
Bei ausgedehntem Befall der Lymphknoten des Mittelfells (Mediastinum) oder bei Einbruch des Tumors in umliegende Organe (Stadium III) ist eine Operation in der Regel nicht sinnvoll und die Behandlung erfolgt durch eine kombinierte Chemo/Strahlentherapie, wobei eine gleichzeitige (simultane) Therapie empfohlen wird, sofern keine schweren Begleiterkankungen bestehen.

Sollte der Tumor bereits Tochtergeschwülste in andere Organe gesetzt haben (Stadium IV) oder kommt es zu einem Krankheitsrückfall (Rezidiv), ist eine Operation nicht sinnvoll. In solchen Fällen wird eine Chemotherapie bei ausgewählten Patienten auch in Kombination mit zielgerichteten Therapien (Bevacizumab) empfohlen. Bei Wiederauftreten der Erkrankung besteht die Möglichkeit weiterer Therapien mit Chemotherapeutika oder anderen zielgerichteten Therapien wie Erlotinib. Gefitinib kann bei Patienten mit nachgewiesener EGFR-Mutation im Tumor in allen Therapielinien, also im fortgeschrittenen Stadium zuerst oder auch nach vorangegangener Chemotherapie, eingesetzt werden. Erlotinib und Gefitinib sind EGFR(Epidermal Growth Factor Receptor)-Tyrosinkinaseinhibitoren. Sie blockieren innerhalb der Tumorzelle einen bestimmten Signalweg, über den das Tumorwachstum gesteuert wird.

Da die Chemotherapeutika zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen können (z.B. Absinken der weißen und roten Blutkörperchen oder der Blutplättchen, Übelkeit und Brechreiz, Haarausfall, Kribbel- oder Taubheitsgefühle sowie Magen-Darmbeschwerden), werden die Patienten in dieser Zeit regelmäßig untersucht.

Behandlung kleinzelliger Lungenkarzinome

Das kleinzellige Lungenkarzinom wächst im Unterschied zu den nicht-kleinzelligen Karzinomen sehr rasch und bildet oft schon früh Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen. Eine Operation oder ausschließliche Bestrahlung sind bei dieser Erkrankung deshalb nur selten sinnvoll.

Bei auf Brustraum begrenzten Tumoren wird eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie von Tumorregion, Lymphknotenstationen unterstützt von einer Bestrahlung des Gehirns durchgeführt. Bei sehr kleinen Tumoren kann in wenigen Fällen eine Operation mit unterstützender (adjuvanter) Chemotherapie sinnvoll sein.

Bei Patienten, bei denen der Tumor bereits Metastasen in Lymphknoten und anderen Organen gebildet hat, steht derzeit nur die Chemotherapie als systemisches Therapieverfahren zur Verfügung. In der ersten Therapie nach Diagnosestellung wird eine Kombination aus verschiedenen (in der Regel 2-3) Zytostatika über 4 bis 6 Behandlungszyklen eingesetzt. Bei Rückbildung des Tumors unter der Chemotherapie wird die nachfolgende Bestrahlung des Gehirns zur Vermeidung des Entstehens von Gehirnmetastasen empfohlen. Bei erneutem Auftreten und Wachstum des Tumors wird eine Chemotherapie mit anderen Kombinationen durchgeführt. Bei einem Rückfall (Rezidiv) nach Tumorstabilisierung über 4 bis 6 Monate im Anschluss an die erste Behandlung kann auch das ursprüngliche Schema noch einmal verwendet werden.

Lungenkrebszentren sichern hohe Behandlungsqualität

Lungenkrebszentren sollen Patienten eine optimale Behandlung entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Therapierichtlinien garantieren. Dafür müssen die Einrichtungen strenge Vorgaben erfüllen, wie z.B. eine Mindestanzahl von speziell qualifizierten Fachärzten. Zudem müssen pro Jahr wenigstens 200 Patienten mit Lungenkrebs dort behandelt werden. Auf diese Weise können umfangreiche Erfahrungen mit der Erkrankung gesammelt und laufend erweitert werden. Die Behandlung im Lungenkrebszentrum erfolgt interdisziplinär durch Lungenfachärzte, Thoraxchirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen, Pathologen und Radiologen. Sie nehmen regelmäßig an einer mindestens wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz teil, in der für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erarbeitet wird.

Mehr dazu unter www.krebsgesellschaft.de/zertifizierte_zentren


(as)


Quellen:
Goeckenjan G et al. Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des
Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie. Pneumologie 2010; 64 (Suppl. 2): S23-S155.
Huber R.M.: Tumoren der Lunge und des Mediastinums, W. Zuckschwerdt Verlag München 7. Aufl. 2009.
Kohlhäufl M et al. Aktuelle Therapiestrategien beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom. Pneumo-News 4/2009: 37-42.
Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums. www.krebsinformationsdienst.de
Lungenärzte im Netz. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Bundesverband der Pneumologen e.V. (BdP). www.lungenaerzte-im-netz.de
Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe, 7/2009.
Preiß J et al. Taschenbuch Onkologie. Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie. Zuckschwerdt Verlag 2010.


Fachliche Beratung
PD Dr. Martin Reck
1. Studiensekretariat Onkologie
Krankenhaus Großhansdorf


Aktualisiert am: 13.04.11 - 14:45



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